Ein Kölner in Paris

Von Ende August 2012 bis Mitte Februar 2013 habe ich mich als Austauschschüler in Paris aufgehalten. Diese wundervolle Stadt kannte ich bereits von mehreren Kurzreisen und nun hatte ich die Gelegenheit, sie intensiv zu erforschen und die Bekanntschaft mit vielen verschiedenen Menschen zu machen.

Die Schule, die ich besucht habe, hatte ich hauptsächlich aufgrund der ansprechenden Lage in der Nähe des Triumphbogens ausgewählt – wie sich herausstellte, war das insgesamt eine sehr gute Entscheidung. Ich bin dort mit offenen Armen empfangen worden und habe schnell Freunde gefunden. An den Schulalltag musste ich mich erst einige Zeit gewöhnen; täglich außer mittwochs von 8:00 – 17:00 Uhr Unterricht zu haben ist ganz schön anstrengend! Natürlich war es in der Anfangszeit auch nicht leicht, dem Unterricht zu folgen – nach drei Jahren Schulfranzösisch fehlten mir noch eine Menge Vokabeln. Mit der Zeit wurde es allerdings immer einfacher; ich wurde auch sehr gut von meinen Klassen-kameraden und Lehrern unterstützt. Eine Umstellung bedeutete auch der Unterrichtsstil – es wird fast ausschließlich Frontalunterricht gegeben; mündliche Mitarbeit wird kaum erwartet und in jedem Fach werden fast wöchentlich Tests und Arbeiten geschrieben. Der Unterrichtsinhalt ist dabei insgesamt durchaus vergleichbar. Übrigens – ich besuche das HHG sehr gerne, aber eine Schule kennenzulernen, die geleckt sauber (ohne irgendwelche Kritzeleien auf Tischen und an Wänden) und hervorragend ausgestattet ist (MacBooks und Beamer in jedem Klassenraum, perfekt eingerichtete Labore), hat einfach Spaß gemacht! Auch die Mensa war sehr gut organisiert – allein von der täglich wechselnden Käse- und Dessertauswahl könnte ich stundenlang schwärmen…

Während meines Aufenthalts in Paris habe ich allerdings viel mehr als nur irgendwelchen Unterrichtsstoff gelernt. Nachhaltig beeindruckt hat mich insbesondere die bedingungslose Hilfe und Unterstützung, die ich immer wieder erfahren habe. So hat es zum Beispiel aus diversen Gründen leider Probleme mit meiner Gastfamilie gegeben, so dass ich die Familie wechseln wollte. Das gestaltete sich schwierig; die Organisation, über die der Aufenthalt vermittelt wurde, konnte mir nicht helfen. Ich war in großer Not und schließlich konnte ich für einige Wochen zu einem Freund ziehen. Anschließend hat mich dann meine Deutschlehrerin freundlicherweise bis zum Ende meines Aufenthalts aufgenommen und zwischendurch habe ich noch zwei Wochen Weihnachtsferien mit einer weiteren Familie in Italien verbringen dürfen. Ich habe also wirklich viel erlebt und viele Freundschaften geschlossen. Ich war viel mit Freunden unterwegs, habe Paris auch abseits der Touristenpfade kennengelernt und war in der Zeit so oft im Kino wie in den zwei Jahren zuvor insgesamt nicht…

Ein Sprichwort in Deutschland lautet „Leben wie Gott in Frankreich“. Das zielt hauptsächlich auf das gute Essen ab. Nun – dieses „Vorurteil“ hat sich bestätigt. Nicht nur das Essen war sehr gut, sondern auch die Esskultur. Wo auch immer ich war hat sich die Familie abends zum gemeinsamen, gemütlichen Abendessen zusammengefunden. Ich habe sogar Schnecken gegessen; Froschschenkel zu probieren hatte ich allerdings keine Gelegenheit. Diese werden allerdings auch deutlich weniger gegessen, als es die Deutschen und die Engländer den Franzosen unterstellen.

Erfreulich war auch, dass mir keinerlei Animositäten hinsichtlich der Kriegsvergangenheit unserer Länder entgegengebracht wurden. Sicherlich ist der 2. Weltkrieg ein Thema – steht aber dem freundschaftlichen Umgang miteinander nicht im Weg.

Insgesamt habe ich mich während meines Aufenthalts in Frankreich aufgrund der netten Menschen sehr wohl gefühlt – und bin sehr froh, dass Köln und Paris mit dem Thalys nur
3 Stunden und 14 Minuten voneinander entfernt sind…

Vive l`amitié franco-allemande!

Armin Roick, Klasse 9c