Kölner Orte von Opfern und Tätern zur Zeit des Nationalsozialismus – ein stadtgeschichtlicher Ausflug im Rahmen der Projektwochen "Für Vielfalt, gegen Rassismus"

Am Dienstag den 15. März 2016 unternahm die Klasse 9b, zusammen mit Herrn Emde und Frau Richrath eine Exkursion in die Stadt. Im Rahmen unseres Geschichtsunterrichts, indem wir derzeit das Thema Nationalsozialismus behandeln, besuchten wir die Synagoge in der Roonstraße und spazierten anschließend zum EL-DE-Haus am Appellhofplatz.

Nachdem wir die Synagoge betreten hatten, wurden alle Jungen aus unserer Klasse gebeten, eine Kippa zu tragen. Wir erhielten eine Führung durch das Gebäude, welches 1895 erbaut wurde und mit rund 10.000 Besuchern jährlich zu den ältesten und größten Gemeinden nördlich der Alpen zählt.

In dem großen hellen Raum mit bunten Fenstern ist Platz für sehr viele Menschen. Jedoch wird während des Gottesdienstes auf eine räumliche Trennung von Frauen und Männer geachtet. So müssen die Frauen oben, etwas erhöht, auf der Empore sitzen. Im Gottesdienst wird dann aus der Thora vorgelesen. Der Thoraschrank, der sich im vorderen Teil der der Synagoge befindet, beinhaltet die heiligen Schriften und die 10 Gebote. Außerdem zeigt er in Richtung Jerusalem, in die auch gebetet wird. Der Gottesdienst dauert rund eine ¾ Stunde. Es werden weder Instrumente gespielt noch Lieder gesungen. Der Kantor liest lediglich auf Hebräisch aus der Thora vor. Heutzutage leben in Köln rund 5000 Menschen mit jüdischem Glauben, die auch jüdische Feste feiern oder Traditionen ausüben, wie zum Beispiel den Sabbat. An diesem Ruhetag darf streng genommen weder gekocht noch Auto gefahren werden. Am Ende unserer Führung sahen wir echte Thorarollen, die in einer Vitrine ausgestellt wurden.

 

Da die Gemeinde Angst vor antisemitischen Einbrüchen hat, ist die Synagoge schwer bewacht. Zur Abschreckung und zum schnellen Eingreifen befindet sich stets ein Polizeiwagen vor dem Gebäude. Ebenso sind Kameras an der Außenwand angebracht und jeder Besucher muss durch eine Sicherheitsschleuse eintreten und seinen Ausweis vorzeigen. Sie besteht aus Panzerglas und kann durch einen Knopf von innen nur geöffnet werden, wenn alle Türen verschlossen sind.

 

Nach dieser spannenden Führung machten wir uns nun auf den Weg ins EL-DE-Haus, das auch als NS-Dokumentationszentrum bekannt ist. Der Name leitet sich von den Initialen des Herrn Leopold Dahmen ab. Dieser war der Besitzer des Hauses bevor es 1939 - 1945 von der Gestapo (geheime Staatspolizei) als Büro und Gefängnis genutzt wurde. Es liegt in zentraler Lage der Innenstadt gegenüber dem Gerichtsgebäude und besaß 10 Zellen, die nicht größer als 4 m² waren. Zusätzlich gab es dort eine Folterkammer im Keller. Die meisten Insassen wurden oft ohne Grund vorgeladen und dort bis zu ihrem Gerichtstermin festgehalten. An Flucht war durch vergitterte Fenster nicht zu denken. Das wenige Essen, welches sie erhielten, reichte nicht aus um ihren Hunger zu stillen. Somit starben nicht wenige den Hungertod. Viele Sprüche und Aufrufe aber auch Initialen und Liebeserklärungen sowie einzelne Wörter wurden in die Wände der Zellen geritzt. 1993 – 1997 wurde im Keller eine Gedenkstätte errichtet. Seit den 80er Jahren steht das Haus unter Denkmalschutz.

 

 

Die Exkursion gewährte uns viele spannende Rückblicke in die Vergangenheit. Zudem passte sie gut zu unserem derzeitigen Thema in Geschichte und auch zu der Projektwoche gegen Diskriminierung, an der die gesamte neunte Stufe unserer Schule teilnimmt.

 

 

Antonia, Britta und Ciara
(9b)