Besuch der Schülerakademie in Papenburg 2012

Ein Bericht von Nico Grund

Seit mehreren Jahren bietet die Deutsche Schülerakademie (DSA) ein außerschulisches Programm zur Förderung von besonders motivierten Schülern an. In der Akademiezeit beschäftigen sie sich 10-16 Tage mit einem bestimmten Themenbereich, welcher sich aus einem Spektrum von den Naturwissenschaften bis zu den Gesellschaftswissenschaften in Form von Kursen auswählen lässt.

Ich selbst habe einen Kurs im Bereich Astrophysik mit dem Namen „Das Leben und Sterben der Sterne“ ausgewählt, welcher vom 16.08.2012 bis zum 27.08.2012 in der Historisch-Ökologischen Bildungsstätte Emsland in Papenburg stattfand.
Bei der Ankunft in der Akademie war ich bereits überzeugt, dass der folgende zehntägige Aufenthalt besonders reizvoll werden würde; uns wurde ein freundlicher Empfang bereitet und wir wurden auf unsere Zimmer (wahlweise Einzel- oder Doppelzimmer) verteilt. Auffallend angenehm war auch die Atmosphäre zwischen den Teilnehmern selbst. Ohne verächtliche Blicke erwarten zu müssen, konnte man jeden ansprechen und leicht Kontakt aufbauen, da alle sowohl sozial als auch geistig auf einer Ebene zu sein schienen.
Das Akademiegelände war von blühenden Wiesen, einem See, idyllischen Aufenthaltsplätzen (darunter auch ein Raum mit vielen Musikinstrumenten und einer guten Akustik, den ich oft benutzte), sportlichen Anlagen wie Volleyballfelder oder Joggingstrecken, und natürlich den Wohnhäusern sowie Unterrichtsräumen besetzt.
Der Tagesablauf war sehr strukturiert, wenn auch etwas (zu) umfangreich. Morgens um 7:30 Uhr gab es Frühstück.  Eine Stunde später fanden sich alle Akademieteilnehmer zum gemeinsamen Plenum zusammen, wo allgemeine Informationen preisgegeben wurden und kursübergreifende Aktivitäten (KüAs) angekündigt werden konnten.  Diese konnten von Kursleitern oder auch von Akademieteilnehmern selbst vorbereitet werden. So habe ich zum Beispiel ein Bandprojekt gestartet, bei dem sich alle melden konnten, die Lust hatten, eine musikalische Fusion zu schaffen. Nachdem sich ein paar Leute gemeldet hatten, schrieb ich einen meiner Songs für die sich ergebene Instrumentierung um, welchen wir dann ein- bis zwei Stunden am Tag probten. Nach dem Plenum begann die wissenschaftliche Arbeit im Kurs, auf die ich später noch zurückkommen möchte.
Nach der Kursarbeit, welche bis 12:30 Uhr ging, gab es Mittagessen. Anschließend hatten wir Freizeit bzw. Zeit für KüAs bis 16:00 Uhr, wo die zweite Phase der Kursarbeit begann. Sie endete um 18:00 pünktlich zum Abendessen, wonach wir wieder Freizeit hatten.
Die Kursarbeit bestand in meinem Kurs darin, uns einen Einblick in den „Lebenslauf“ von Sternen zu erarbeiten. Bereits ein- bis zwei Monate vor Akademiebeginn hatte jeder Teilnehmer die Aufgabe, ein Referat innerhalb des Themenbereiches Sternzyklen vorzubereiten, wozu der Gebrauch des Internets untersagt war. Nur wissenschaftliche Bücher und Zeitschriften waren erlaubt. Ich selbst bereitete ein Referat zum Thema „Supernovae Ib/c & II“ vor.
Im Kurs ging es jedoch nicht nur um banales Auswendiglernen von Fakten, sondern wir lernten, astrophysikalische Daten (Bilder von Teleskopen, Diagramme, etc.) auszuwerten und standfeste, wissenschaftliche Aussagen daraus abzuleiten. Zu diesem Zweck wurde uns auch das Arbeiten mit Linux beigebracht. Um die Mathematik mit einzubeziehen, leiteten wir ab und zu komplexere Formeln her, wie beispielsweise den Schwarzschildradius (Radius eines Schwarzen Loches, bei dem die kinetische Energie der Photonen komplett in potentielle übergeht und folglich nicht einmal das Licht entkommen kann) oder das Chandrasekhar-Limit (Wenn die Kernmasse des Sterns diese Grenze übersteigt, kollabiert er nach dem Eisenbrennen), bei denen man sowohl Differential- als auch Integralrechnung benötigt.
Letztendlich verbesserte ich also nicht nur mein physikalisches Allgemeinwissen, sondern auch die Fähigkeit, mit Messdaten umzugehen sowie die Anwendung höherer Mathematik in der Physik.
Obwohl es unter den 'KüAs' viele Möglichkeiten in den Bereichen Spiel, Sport und Musik gab, beschränkte ich mich hauptsächlich auf die musikalischen Möglichkeiten. Es gab einen Chor, einen (Extra-)Männerchor und zwei Bands, wovon ich eine leitete. Der Höhepunkt der musikalischen Aktivitäten befand sich jedoch kurz vor Ende der Zeitskala. Beim Akademiekonzert konnte  jeder, der mochte, einen musikalischen Vortrag vor Publikum ausführen. Dabei waren alle Extreme vertreten; während eine Gruppe aus Kammermusikern klassische Stücke präsentierte, spielte eine Band bestehend aus Hobbymusikern eigene Stücke aus dem Bereich des Heavy Metal. Meine Band, der wir den Namen „The Triad’s Breath“ gaben, spielte auch eines meiner eigenen Stücke, allerdings ist dieses eher dem Bereich „Rockballaden“ zuzuordnen.
Alles in Allem lässt sich sagen, dass sich die Reise nach Papenburg in jeder Hinsicht positiv auf meine kognitiven, jedoch auch auf sozialen sowie emotionalen Fähigkeiten auswirkte. Der Grund dafür waren ausgezeichnete Kursleiter sowie eine äußerst angenehme Atmosphäre unter allen Teilnehmern. Für den positiven Erinnerungswert trugen auch äußere Faktoren wie das einladende Gelände oder die ausgezeichnete Verpflegung bei. Kurz vor der Abreise bekamen wir einen Zettel, den wir mit Aspekten, die man an dem Akademieprogramm verbessern könnte, ausfüllen sollten. Ich ließ ihn leer. Dieses Programm ist meiner Meinung nach in vollem Maße empfehlenswert.