Chor steigert sich zum Schrei

Musikdozenten zeigen einer 6. Klasse des Heine-Gymnasiums erste Schritte zum Bandspiel und zur Improvisation.

VON MARIANNE KIERSPEL
Ostheim - Wer im Heinrich-Heine-Gymnasium den Jazzkurs sucht, kann dem Ohr folgen. In der Aula füllen 33 Elf- bis Zwölfjährige die Bühne. Zehn haben schon privaten Instrumentalunterricht, der Geiger zum Beispiel besucht die Musikschule Holweide. Aber 23 haben erstmals ein Instrument zur Hand, Keyboards, Schlagzeug, Bässe, E-Gitarren.
Manche begleiten die beiden Sängerinnen in "Love is all around" mit den vier Tönen D-E-G-A, andere spielen nur einen Ton. Das Ergebnis ist vorerst nur ein Dauer-Forte, es überdeckt die Geige, Querflöten, Horn, Tuba und den Background-Chor. "Kann nicht das Horn mal die Melodie mitspielen?" fragt einer. "Gute Idee", sagt Brigitte Fulgraff.
Die Musiklehrerin freut sich über das Angebot der Offenen Jazz-Haus-Schule Köln, obwohl der Kurs im laufenden Unterrichtsbetrieb schwierig zu organisieren ist: "Er fördert die Einzelnen und die Gruppe", hofft sie. Ihre 6. Klasse hat den Besuch mit dem "Love"-Song vorbereitet, aber er ist nicht gut genug für das Abschlusskonzert im Stadtgarten. Die Schüler murren, die Lehrerin entscheidet: "Unser Song fällt zu sehr ab. Die Dozenten arbeiten viel differenzierter." Schließlich kommen zum Konzert die Eltern und auch die 12. Klasse, die mit anderen Gastdozenten arbeitet.
 
Mit der 6. Klasse haben die Jazzsängerin Hannah Köpf, der Gitarrist Martin Temme und der Schlagzeuger Marcus Möller vier Mal geübt. Ihr fünfter Schulbesuch heute ist schon der letzte vor dem Konzert. Jetzt leitet Temme das spaßige Wise-Guys-Lied "Es ist Sommer". Da hört man, dass auch Profis keine Wunder wirken können. Musik braucht viel mehr Zeit. Immerhin haben die Schüler eigene Strophen getextet, und zwar passend zum Rhythmus.
Jetzt stoßen drei Jungen und vier Mädchen zur Band, der Chor. Er soll die Strophen rappen, aber den Refrain singen. "Jedes Wort deutlich aussprechen, das hilft", ruft die Sängerin. Sie erklärt nachher: "Beim Rappen finden sie nicht leicht die richtige Tonhöhe." Im Konzert will sie am Keyboard nachhelfen. "Das Projekt »music.experience« ist ein Crashkurs für Anfänger", erklärt Thomas Gläßer, der den Workshop organisiert. "Manche mussten noch lernen, pünktlich auf der Eins zu klatschen."

Die Schüler müssen sich konzentrieren und auf andere hören. Das ist knifflig genug. Im dritten Stück gibt Marcus Möller auch erste Tipps zur Improvisation. Er zeigt Anfang, Steigerung und Ende an. Da sollen die Jungen und Mädchen Eigenes einbringen. Zuerst murmelt der Chor, wuseln ein paar Instrumente. Dann haut die Band fette Pfundnoten hin, steigern sich die Sänger zum Schrei. Die Lehrerin freut sich über soviel Mut. Jetzt muss sie noch viele Fragen zum Konzert klären: "Klar kommt ihr ohne Karte rein, ihr tretet ja auf! Zieht euch was Nettes an und seid pünktlich zum Soundcheck. Nachher sollen die Eltern ein Eis spendieren, eure erste Gage."

 
KSTA vom 06.11.07