Reise wider das Vergessen

Schülerinnen und Schüler des Heinrich-Heine-Gymnasiums und der Albert-Schweitzer-Realschule fuhren mit vier Lehrern zur Gedenkstätte Auschwitz und Birkenau. Die vier begleitenden Lehrer waren Herr Hammes vom Realschule, Herr Heymann und Frau Esser vom Gymnasium sowie Herr Faber, der ehemalige Schulleiter der Kurt-Tucholsky-Hauptschule. Diese Fahrt war die fünfte Gedenkstättenfahrt der Schulen des Schulzentrums Ostheim. Ursprünglich initiiert durch die Kurt-Tucholsky-Hauptschule, die nach Neubrück gezogen ist, ist diese Fahrt nach Auschwitz und Krakau traditionell im Schulprogramm verankert.

 

Nach einem eineinhalbstündigen Flug mit leichten Turbulenzen, kamen alle doch wohlbehalten in Krakau an, allerdings hielt sich die Begeisterung über die Herberge in Grenzen. Anschließend stand eine Stadtführung auf dem Plan, die sich allerdings ziemlich in die Länge zog. Am Abend fielen alle müde, aber glücklich ins Bett.

Am zweiten Tag stand der Besuch der Gedenkstätte Auschwitz auf dem Plan. Nach einstündiger Busfahrt kamen wir an dem Ausstellungsgebäude an, das auch der Eingang zur Gedenkstätte war. Nach anschließendem Besuch der Ausstellung, wurden wir durch das ehemalige Konzentrationslager geführt.
Sehr beeindruckend waren die Vitrinen mit den Habseligkeiten der Opfer wie zum Beispiel Prothesen, Schuhen und Koffern. In dem wohl größten Schaukasten lagen Berge von ausgeblichenen Haaren, in einem der nachfolgenden Räume war eine ganze Vitrine mit Kinderschuhen gefüllt.
In einem anderen Raum befand sich ein kleiner Glaskasten mit Babykleidung, deren Farbe noch nicht verblichen war, und eine kaputte Porzellanpuppe.

Doch Kleidung und Habseligkeiten der Opfer waren nicht das Einzige, was geblieben war. Ein langer Korridor, dessen Wände über und über mit Bildern von Häftlingen behängt waren, zeugte von dem Grauen der vergangenen Zeit. Unter jedem Bild standen der Name sowie das Einlieferungs- und Hinrichtungsdatum. Diesen Daten konnte man entnehmen, dass einige Häftlinge nicht einmal eine Woche in dem Lager überlebt haben.
Unter den Bildern standen ebenso die Berufe der Häftlinge, und es war erschreckend zu sehen, wie viele Lehrer, Doktoren und Professoren zu dieser Zeit ermordet wurden.

Nicht nur die Habseligkeiten der Opfer und der Bilderkorridor haben bleibende Eindrücke hinterlassen. Die winzigen Arrestzellen, in die wir uns zu viert gestellt haben, waren sehr beängstigend. Die Größe der Zelle war bloß durch ein weißes Viereck am Boden definiert, sie hatte keine Wände, wie eine echte Arrestzelle, und doch fühlten wir uns sofort unwohl.

Am selben Tag fuhren wir nach Birkenau, wo wir unter anderem den berühmten Wachturm bestiegen, von dem sich ein weiter Ausblick auf das riesige Lagergelände bot. Von diesem Wachturm, der den Eingang des Lagers markiert, bis zu der zerbombten Verbrennungsanlage haben wir zu Fuß bestimmt 5 Minuten gebraucht.
An der Verbrennungsanlage waren Gedenktafeln in den Boden eingelassen. Alle trugen die gleiche Inschrift in verschiedenen Sprachen.

„Dieser Ort sei allezeit ein Aufschrei der Verzweiflung und Mahnung an die Menschheit.
Hier ermordeten die Nazis etwa anderthalb Millionen Männer, Frauen und Kinder.
Die Meisten waren Juden aus verschiedenen Ländern Europas.
Auschwitz-Birkenau 1940-1945

Wir stellten trotz des Windes Teelichter auf und legten eine Schweigeminute ein.
Danach fuhren wir sichtlich mitgenommen und erschöpft in die „Patria“, unsere Herberge, zurück. Den Rest der Woche verbrachten wir mit Aktivitäten wie einer Stadtbesichtigungen und dem Besuch eines jüdischen Restaurants. Am letzten Abend setzten sich alle im Hof zusammen und besprachen noch mal die gesamte Fahrt. Es stellte sich heraus, dass die Realschüler doch nicht so schlimm waren, wie am Anfang angenommen und dass wir Gymnasiasten, „Gymmi-Geias“ genannt, auch mal ganz nett sein können.

Nach dieser erlebnisreichen Woche voller schöner und weniger schöner Eindrücke, kehrten alle nach Hause zurück, froh, die Fahrt mitgemacht zu haben.

Anna Pekarski (10b), Carlota Ziegs (10b), Markus Kanonenberg (10a)