Freischwimmer im Meer der Sprachen

Wie verständigte sich Ötzi, der „Mann aus dem Eis“ vor mehr als 5000 Jahren mit seinen Mitmenschen? Bis heute wissen wir nicht genau, woher er kam,  warum er die Alpen überquerte und wer ihn in den schneebedeckten Bergen mit einem Pfeil traf. Aber er wurde bei Bozen gefunden und dort ist ihm eine Ausstellung im Museum gewidmet.
Die Eingangsszene unserer Aufführung am Sozialwissenschaftlichen Gymnasium in Bozen war von seiner Geschichte inspiriert: Figuren auf der Bühne erwachen zum Leben und versuchen auf vielfältige Weise miteinander zu kommunizieren.

Am 21. September starteten wir morgens um 5:55 Uhr mit dem ICE vom Kölner Hauptbahnhof zu unserem Theaterworkshop: sechs Jugendliche aus dem Heinrich-Heine-Gymnasium würden in Bozen sieben  Schüler_innen  des  Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums treffen: allen gemeinsam ein Interesse am Theaterspielen und an Vielsprachigkeit. Diese dreizehn Teilnehmenden brachten zwölf Sprachen mit auf die Bühne: Urdu und Albanisch, Türkisch und Französisch, Ladinisch und Englisch, Tigrinya, Dialekt und ...

Spiele und bewegungsreiche Übungen brachten von Beginn an alle gemeinsam ins Spiel, theaterästhetische Mittel wurden bekanntgemacht und ausprobiert, die verschiedenen Sprachen  kamen zu Wort - zum Beispiel durch den „Einflüsterer“, der einen „Lautsprecher“ braucht, der seinen Satz ertönen lässt.  Natürlich haben wir auch darüber gesprochen, was uns die verschiedenen Sprachen bedeuten, wann und wo wir welche Sprachen sprechen, wie sich Sprachen unterscheiden und welche Vorteile es hat, sich in verschiedenen Sprachen verständigen zu können. Das Selbstvertrauen und die Freude an der eigenen Vielsprachigkeit haben sich durch das Theaterspielen verstärkt. In dem vorhandenen „Meer der Sprachen“ schwimmen sich die Theaterspieler_innen frei!

Mit viel Begeisterung und Energie gelang es, nach nur drei Probentagen ein Stück auf die Bühne der voll besetzten „Aula Magna“ zu bringen. Zu Beginn konnte das Publikum sich beteiligen und sich von den „Sprachautomaten“ Sätze in verschiedensten Sprachen anhören – am Schluss des von den Schüler_innen selbst entwickelten Stückes stand das Happy-End einer Nationen übergreifenden Liebesgeschichte!

Besonders schöne und aussagekräftige Bilder (Fotograf: Matthias Kreßner) sollen bald in einem Buch zu bewundern sein, an dem wir arbeiten. Sobald es fertig ist, werden wir es hier vorstellen.

Und für alle Interessierten: auch in diesem Schuljahr gibt es am Heinrich-Heine-Gymnasium eine neue, vielsprachige Theater-AG, die im zweiten Schulhalbjahr eine Aufführung auf die Bühne bringen wird!

Einen weiteren Bericht über dieses gemeinsame Theaterprojekt am Sozialwissenschaftlichen Gymnasium in Bozen finden Sie hier.

Gisela Fasse
Leiterin der Theater-AG
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