„Übers Wischen zum Wissen“ – Das iPad-Projekt

Das HHG hat sich im Schuljahr 2013/14 auf den Weg gemacht, mit digitalen Endgeräten zu unterrichten

 

Die Erwartung und die Vorfreude bei den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 7 im Schuljahr 2013/14 schien grenzenlos, als die Entscheidung endlich feststand, dass im Unterricht ab sofort iPads eingesetzt werden können. An einem Freitag Mitte November 2013 war es dann soweit: Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 7c starteten im W-LAN ihres Klassenzimmers die iPads, die funkelnagelneu aus dem iPad-Koffer entgegen genommen werden konnten. Seitdem ist schon wieder ein Schuljahr vergangen und es lohnt sich ein Blick zurück, sogar in den Herbst 2012.  Die Anschaffung der iPads für den Unterricht steht beispielhaft für eine gelungene Partizipation zwischen allen beteiligten Kolleginnen und Kollegen am HHG, Eltern und dem Förderverein unserer Schule. 

Der Einsatz neuer Medien in Schulen hat sich in der letzten Dekade dem heute gewohnten PC-Standard angepasst und längst haben sich die Anforderungen, die mit diesem Einsatz verbunden sind, in den Möglichkeiten u. a. zur individuellen Förderung – gerade im Ganztagsbetrieb – etabliert. Aber die Entwicklung geht weiter.

Die Tatsache, dass auch in der Gesellschaft die Nutzung des Internets durch mobile Endgeräte – denken wir nur an die aus dem Alltag nicht mehr wegzudenkenden Smartphones und Tablets – den klassischen Desktop-PC ablösen, führt auch in der Schulentwicklung zu neuen Ansätzen. Eines der Modeschlagwörter ist sicherlich BOYD (Bring your own Device). Damit könnte gemeint sein, dass in Zukunft die Schülerinnen und Schüler ihre eigenen mobilen Endgeräte als mediales Werkzeug im vollständig ausgebauten W-LAN der Schule im Unterricht einsetzen. Die Konsequenz dieser Entwicklung wird es sein, dass der weitere Ausbau der klassischen Computerräume nicht weiter fortgesetzt wird, sondern der Schulträger vermehrt die Nutzung der mobilen Endgeräte umsetzen möchte. Ob diese kostspielige Zukunftsvision flächendeckend alle Schulen erreicht, ist ungewiss, dennoch befinden sich das HHG und sicherlich auch viele andere weiterführende Schulen in einer Übergangsphase. Berichte zu diesem Thema findet man regelmäßig in den Tageszeitungen. Das HHG hat in diesem Sinne in den letzten zwei Jahren einen richtungsweisenden Weg eingeschlagen.

Engagierte Kolleginnen und Kollegen am HHG haben sich im September 2012 entschlossen, Schülerinnen und Schülern den Einsatz des iPads im Unterricht zu ermöglichen und damit verbundene Schwierigkeiten zu überwinden. Drei Herausforderungen standen dabei besonders im Vordergrund: Überzeugungsarbeit im Kollegium zu leisten, aber auch die Finanzierung für die Anschaffung und die Integration der teuren Geräte in die bestehende Schullandschaft zu garantieren, ohne ein sozioökonomisches Ungleichgewicht zwischen Schülerinnen und Schülern entstehen zu lassen, die beispielsweise mit dem persönlichen Besitz mobiler Endgeräte verbunden sind. Alle, die sich in der Schullandschaft auskennen, wissen insbesondere um diese Schwierigkeit, da von vorneherein ausgeschlossen werden konnte, dass eine flächendeckende Ausstattung für alle Schülerinnen und Schüler nicht möglich ist.

In Lehrer- und Schulkonferenzen beauftragte eine große Mehrheit der Mitglieder die Arbeitsgruppe, Vorschläge für die Umsetzung zu präsentieren. Die Entscheidung, dass die iPads im Schuljahr 2013/14 in der Jahrgangsstufe 7 eingeführt werden sollten, ergab sich zwangsläufig. Weil die rechtlichen Vorgaben für den iPad-Einsatz in zukünftigen Abiturprüfungen unklar war und wegen einer aufgrund der unklaren Finanzierung nicht kalkulierbaren Reaktion der Eltern bei der Anmeldung, schlossen wir den Einsatz der Tablets in der Ober- bzw. Erprobungsstufe aus. Da uns der Schulträger zusätzlich während einer dreijährigen Projektlaufzeit unterstützt, war der Start in der Jahrgangsstufe 7 die logische Konsequenz. Was sich im Weiteren ergab, konnte eine tatsächliche Überraschung, aber vielleicht auch vielmehr das Ergebnis sein, wenn die Schulleitung, das Kollegium und die betroffenen Eltern von Beginn an ergebnisoffen, transparent und aufgeschlossen in den Entscheidungsfindung eintreten. Das abgegebene Votum aller Eltern der Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 7 im März 2013  half uns, die entscheidende Hürde zu überwinden. Die Eltern stimmten in einer ausreichenden Mehrheit dem Vorschlag der Arbeitsgruppe zu, dass die Eltern für die dreijährige Projektlaufzeit bereit sind, Leasingverträge für einen Klassensatz von 30 iPads abzuschließen. Die Einmaligkeit dieser Entscheidung liegt insbesondere darin, dass nach dem Ende der Projektlaufzeit die Tablets ins Schuleigentum und nicht ins Privateigentum der Familien übergehen. Die Bereitschaft der Eltern solidarisch untereinander und solidarisch zur Schulgemeinschaft in die Zukunft ihrer Kinder zu investieren, ist nach nunmehr knapp zwei Jahren immer noch ein großer Moment für das HHG. Die kooperative Haltung und Weitsicht engagierter Eltern in der Schulpflegschaft, in der Schulkonferenz und im Förderverein verdient große Anerkennung. 

In einer Vielzahl von Fächern kommt das iPad zum Einsatz. Im Sprachunterricht der Fächer Englisch, Latein und Deutsch in Kombination mit Musik. In der Mathematik, Physik und Chemie und vor allem auch in einem hohem Maße in Kunst und Religion bzw. praktischer Philosophie. Beispielhaft sollte das klassenübergreifende Unterrichtsvorhaben der Religions- bzw. Philosophielehrerinnen und -lehrer erwähnt werden, gerade weil dort alle Probleme aufgetreten sind, die man sich vorstellen konnte. Die Schüler hatten die Aufgabe Mitarbeiter in verschiedenen sozialen Einrichtungen zu besuchen, um über ihre Aufgabe zu berichten, um Sensibilität für soziales und gesellschaftliches  Engagement zu wecken. Es wurden Ton und Filmaufnahmen mit dem iPad gemacht, die nachbereitet für eine Präsentation vor allen Schülerinnen und Schülern genutzt werden sollten.  Technische Schwierigkeiten im Umgang mit den Geräten, mit dem zur Verfügung stehenden Apple-TV für die Präsentation und die ungewohnte Art der Datenspeicherung stellten alle Beteiligten vor große Herausforderungen, die sicherlich auch nicht immer zur Zufriedenheit aller gelöst werden konnten. Wer allerdings bei der Präsentation der Schülergruppen dabei war, konnte sich überzeugen lassen, dass es mit großer Ernsthaftigkeit gelungen ist, Lebenswirklichkeit in  den Unterricht zu bringen. Die Schülerinnen und Schüler werden es sicherlich nicht so schnell vergessen.

M. Kowalski
(Verantwortlicher für das i-Pad-Projekt)