Theater spielen am HHG


...in allen unseren Sprachen

Der erste Jahrgang der Mittelstufe ist nun im schulischen Ganztag am Heinrich-Heine-Gymnasium angekommen! Dazu gehört auch ein breites Angebot an Arbeitsgemeinschaften, die für alle Schülerinnen und Schüler der siebten Klassen am Dienstagnachmittag angeboten werden. Die Bandbreite reicht von der Ausbildung zum Schulsanitäter über Sport und Tanz zum Musical und: eine Theater-AG gehört dazu.
Seit dem Beginn dieses Schuljahrs spielen 18 Schüler/innen begeistert mit, sie entwickeln eigene Szenen, erproben verschiedene Rollen und experimentieren mit Stimme, Haltung und Bewegung.
Das ist aber noch nicht alles: das Besondere an dieser  Theater-AG ist, dass hier nicht nur in einer, sondern in allen uns zur Verfügung stehenden Sprachen geredet wird.

Natürlich sprechen alle Teilnehmer/innen Deutsch – aber nicht nur! Vietnamesisch, Italienisch, Türkisch, Arabisch und Kurdisch sind Sprachen, die die Jugendlichen in den Kurs einbringen. Sprachen, die sie mit und in ihren Familien sprechen, die aber in der Schule keinen Platz haben. Auch die in der Schule erlernten Fremdsprachen: Englisch, Französisch und Latein werden beim Theaterspiel einbezogen, darüber hinaus Kölsch, sogar Gesten aus der Gebärdensprache. 

In ihren „Sprachporträts“ fanden die Schüler/innen Farben und „Heimatorte“ für alle ihre Sprachen: sie sind zum Beispiel in den Füßen angesiedelt, denn damit bewegt man sich problemlos durch die eigene Welt oder im Kopf, denn dort ist die Sprache, bei deren Anwendung immer überlegt werden muss. Manchmal gibt es aber auch zwei gleichberechtigte Sprachen: so hat Sedef etwa deutsch und türkisch in symmetrischen Streifen, grün und rot, in ihren Körperumriss gemalt.

In einem „Kugellager“ erlebten die Mitspieler/innen durch das gegenseitige Antippen von „Sprachknöpfen“ den Klang verschiedener Sprachen und hatten die Gelegenheit, die eigenen Sprachen, die den andern nicht bekannt waren, zu präsentieren.
Theaterspiel motiviert: die Jugendlichen erfahren einen neuen Raum, in dem das Experimentieren mit Rollen, das Erproben von Stimm-  und Körpereinsatz im Schutz der Gruppe, in einer Situation des „Als-ob“ möglich sind. Das Theaterspiel fördert soziale Kompetenzen wie Offenheit und Aufgeschlossenheit, Interesse an Perspektivwechseln, Empathie  und, das zeigen  empirische Studien, auch die Leistungsmotivation in der Schule, in anderen Fächern.

In der Theater-AG wird kein vorgegebenes Stück einstudiert, geübt und auf die Bühne gebracht, sondern die Teilnehmer/innen entwickeln eigene Ideen zu Szenen und einer Präsentation: sie erfahren so die Möglichkeiten und Erfolge eigenverantwortlichen Lernens, der selbstständigen Steuerung eines Arbeitsprozesses. 

Durch das Betrachten der verschiedenen Arbeitsgruppen in deren jeweiliger Vorgehensweise, ihren Szenen und ihrer Präsentation werden eigene Notationssysteme und die Fähigkeit zu konstruktivem Feedback weiter entwickelt.

Warum Theater in „allen unseren Sprachen“?

  • Sprache ist ein Mittel der Kommunikation, keine Barriere: alle im Raum vorhandenen Sprachen sind ein Reichtum
  • Alle Schülerinnen und Schüler bringen bereits erfolgreiche Sprachlernprozesse mit: sie können sich in der Standard- und Unterrichtssprache Deutsch, aber auch in eigenen Erst-/Herkunftssprachen, in Dialekten, Soziolekten und Idiolekten ausdrücken 
  • Sprach- und Sprachenbewusstheit der Schüler/innen wird in dem Projekt gefördert
  • Teilnehmer/innen können sich gegenseitig (auch) aufgrund der erfahrenen Sprachen und kulturellen Hintergründe der Mitspieler/innen neu wahrnehmen

Unsere Theater-AG  ist eingebettet in ein europäisches Projekt: der Europarat  fördert über das Europäische Fremdsprachenzentrum in Graz (www.ecml.at) die Mehrsprachigkeit und entwickelt Konzepte für den Sprachunterricht.  Unter der Leitung von Frau Professor Britta Hufeisen wurde ein internationales Projekt ins Leben gerufen, an dem neben Schulen und Universitäten  verschiedener europäischer Länder wie Italien, Tschechien, Litauen, Finnland, Österreich... auch das Heinrich-Heine-Gymnasium  mit der mehrsprachigen Theater-AG vertreten ist.

Im Oktober 2012, während unserer Herbstferien, konnte ich an dem ersten Netzwerktreffen von  „plurcur“ (Plurilinguales Curriculum) teilnehmen, das sich zum Ziel gesetzt hat, pädagogische Ansätze zur Entwicklung eines Gesamtsprachenkonzepts zu sammeln, zu sichten, wissenschaftlich zu begleiten. Ziel des plurcur - Projekts ist die Erarbeitung eines Konzepts eines plurilingualen, alle Fächer umfassenden und interkulturellen schulischen Gesamtsprachenansatzes, der erprobt und evaluiert wird.

Vor allem aber steht in der Theater-AG die Freude am Spielen, die Entwicklung eigener Rollen und Szenen zusammen mit anderen Spieler/innen. Wir planen eine Präsentation für das zweite Schulhalbjahr – Sie alle werden dazu eingeladen!

Gisela Fasse
Heinrich-Heine-Gymnasium
Deutsch/Geschichte/Theater
Mittelstufenkoordinatorin